Le joueur de flûte qui prit la mauvaise ruelle à Hamelin
A2 · Myths & Legends
Im Jahr 1284 hatte die Stadt Hameln ein großes Problem. Überall gab es Ratten. Dicke, schwarze Ratten fraßen das Brot in den Bäckereien. Sie tranken die Milch in den Kellern. Die Menschen hatten Angst und sie hatten Hunger.
Dann kam ein fremder Mann in die Stadt. Er trug eine bunte Jacke — halb rot, halb gelb. In der Hand hielt er eine lange Flöte. Er sprach ruhig mit dem Bürgermeister.
„Ich kann alle Ratten wegbringen“, sagte er. „Aber ich möchte tausend Goldmünzen dafür.“
Der Bürgermeister sah die dünnen Gesichter der Kinder auf der Straße. Er dachte an das leere Brot und die schmutzigen Keller. „Einverstanden“, sagte er.
Der Pfeifer ging in die erste Gasse und begann zu spielen. Die Melodie war seltsam und tief. Zuerst kam eine Ratte. Dann zehn. Dann hundert. Sie liefen hinter ihm her. Der Pfeifer führte sie alle zum Fluss Weser. Die Ratten sprangen hinein und ertranken.
Die Stadt war frei. Die Menschen lachten und tanzten auf der Straße.
Aber dann passierte etwas Schlimmes.
„Tausend Goldmünzen?“ Der Bürgermeister lachte jetzt anders. „Das war nur ein Spaß. Die Ratten sind weg. Du bekommst nichts.“
Der Pfeifer sagte nichts. Sein Gesicht wurde kalt wie Stein. Er drehte sich um und verließ das Rathaus.
Viele Tage gingen vorbei. Die Menschen dachten, der fremde Mann war für immer weg. Aber er kam zurück.
Es war ein Sonntag im Juni. Die Kirchen waren voll. Der Pfeifer stand allein auf dem Marktplatz und begann wieder zu spielen. Diesmal war die Melodie hell und leicht, wie ein schöner Traum. Und diesmal liefen nicht die Ratten. Die Kinder der Stadt liefen aus ihren Häusern. Sie folgten dem Pfeifer, Schritt für Schritt.
Der Pfeifer wollte sie durch die große Gasse am Fluss führen. Aber Hameln war eine alte Stadt mit vielen engen Gassen. Und der Pfeifer kannte den Weg nicht gut genug.
Er bog links ab. Das war falsch.
Er stand vor einer hohen, grauen Mauer. Eine tote Gasse. Kein Ausgang.
Die Kinder kamen hinter ihm an und blieben stehen. Die Musik stoppte. Der Pfeifer sah die Mauer vor sich. Für einen langen Moment war es ganz still.
Dann hörte er eine kleine Stimme hinter sich: „Bist du verloren?“
Er drehte sich um. Ein kleines Mädchen mit roten Haaren sah ihn an. Ihre Augen waren nicht ängstlich. Sie waren nur neugierig.
Der Pfeifer sah die Kinder — zwanzig, dreißig — alle mit den gleichen neugierigen Augen. Sie folgten nur der Musik. Etwas in seinem Gesicht veränderte sich.
Er steckte die Flöte in seine Jacke. „Geht nach Hause“, sagte er leise. Und er meinte es.
Die Kinder gingen. Der Pfeifer stand allein vor der grauen Mauer. Er bekam sein Gold nie. Und die Kinder von Hameln verschwanden nie.
Aber manchmal sagen die alten Leute in Hameln: Die falsche Gasse hat uns mehr gerettet als tausend Goldmünzen.