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Der Schiedsrichter, der in der 89. Minute die Uhr anhielt

Klaus Berger war seit dreißig Jahren Schiedsrichter. Er hatte viele Spiele geleitet — kleine Spiele in kleinen Städten und große Spiele in großen Stadien. Aber dieses Spiel war anders. Es war das Finale: FC Rötal gegen FC Blauberg. Es ging um den Meistertitel.

Das Stadion war voll. Siebzigtausend Menschen saßen auf den Tribünen. Es war laut, es war heiß und es war die 89. Minute.

FC Rötal führte 1:0. Das Tor fiel schon in der dritten Minute. Seitdem war das Spiel hart und nervös. Beide Mannschaften kämpften, denn beide wollten den Titel.

Klaus stand in der Mitte des Feldes. Er schaute auf seine Uhr. Noch eine Minute. „Eine Minute“, dachte er. „Dann ist es vorbei.“

Plötzlich sah er etwas.

Der Rötal-Spieler Nummer neun — ein junger Mann, vielleicht zweiundzwanzig Jahre alt — lag plötzlich auf dem Boden. Er bewegte sich nicht. Kein anderer Spieler hatte ihn berührt. Er lag einfach da, mit geschlossenen Augen.

Klaus pfiff sofort. Er hob die Hand und rief die Sanitäter. Er stoppte die Uhr.

Das Stadion wurde leise. Sehr leise.

Die Sanitäter kamen schnell aufs Feld. Sie knieten neben dem Spieler. Zwei Minuten vergingen. Drei Minuten. Vier Minuten. Der junge Spieler öffnete langsam die Augen. Er war blass, aber er atmete. Er konnte das Feld verlassen. Alle atmeten auf.

Aber jetzt hatte Klaus ein Problem.

Es gab vier Minuten Nachspielzeit. Das Stadion wusste es. FC Blauberg wusste es.

In der zweiten Minute der Nachspielzeit schoss Blauberg ein Tor. 1:1. Das Stadion explodierte — die eine Hälfte vor Freude, die andere vor Schmerz.

Das Spiel endete 1:1. Es gab eine Verlängerung. FC Blauberg gewann schließlich im Elfmeterschießen.

Nach dem Spiel warteten die Rötal-Fans vor der Umkleidekabine. Einige waren wütend. Ein Mann rief: „Berger! Das war dein Fehler! Du hast unseren Titel gestohlen!“

Klaus blieb stehen. Er schaute den Mann an. Er dachte an den jungen Spieler auf dem Boden. An seine geschlossenen Augen. An sein blasses Gesicht.

Dann sagte Klaus ruhig: „Der Spieler lebt. Das ist der einzige Titel, der heute zählt.“

Er drehte sich um und ging.