Loading translation and audio tools…

L'épreuve qui fit remballer son archet au violoncelliste

Das Licht im Probenraum war immer zu grell. Markus hatte das schon hundert Mal gedacht, aber heute störte es ihn besonders. Er saß auf seinem Stuhl, hielt sein Cello zwischen den Knien und wartete. Die anderen Musiker des Quartetts stimmten ihre Instrumente. In vier Tagen war das Konzert. Vier Tage.

„Noch einmal ab dem dritten Teil“, sagte Elena. Sie war die erste Geigerin und — obwohl das niemand offiziell gesagt hatte — auch die Leiterin des Quartetts. Sie sagte solche Dinge nicht laut. Sie sagte sie einfach, und alle hörten zu.

Markus legte den Bogen an die Saiten. Er kannte das Stück gut. Er hatte es zwei Wochen lang jeden Abend geübt, auch wenn er danach kaum noch schlafen konnte. Die schwierige Stelle im dritten Teil hatte ihn viele Nächte gekostet.

Sie spielten. Es klang gut — zuerst. Dann kam Markus' Solo. Er atmete kurz ein und begann. Die Noten flossen, die Phrase öffnete sich wie eine Tür. Er fühlte, dass es heute besser war als gestern.

Aber dann brach Elena ab.

„Warte.“ Sie senkte ihre Geige. „Markus, du spielst das Tempo wieder zu langsam. Das zieht das ganze Stück herunter.“

Der Raum wurde still. Nicht die normale Stille zwischen zwei Noten, sondern eine andere, schwerere Stille.

„Ich spiele es so, wie es im Stück steht“, sagte Markus ruhig.

„Nein.“ Elena schüttelte den Kopf. „Du spielst es so, wie es dir gefällt. Das ist nicht dasselbe.“

Markus antwortete nicht sofort. Er sah sie an. Neben ihm hörte er, wie Tobias, der Bratschist, leise die Luft durch die Nase ausatmete. Das bedeutete nichts Gutes.

„Können wir es einfach noch einmal spielen?“, fragte Markus.

Elena nickte. Aber ihr Gesicht sagte etwas anderes.

Sie spielten die Stelle noch zweimal. Beim zweiten Mal sagte Elena nichts mehr. Das war fast schlimmer.

Am Ende der Probe packten alle schweigend ihre Instrumente ein. Tobias und die zweite Geigerin, Hana, sprachen kurz über den Konzertsaal, über die Akustik, über das Abendessen danach. Normale Dinge. Markus hörte ihnen zu, aber er war mit seinen Gedanken woanders.

Er legte seinen Bogen in den Kasten. Dann das Cello. Er schloss den Deckel, aber er stand nicht sofort auf. Er saß da und sah auf den geschlossenen Kasten.

Elena zog ihren Mantel an. Dann blieb sie stehen.

„Markus.“

Er sah auf.

„Das Solo klingt wirklich schön“, sagte sie. Ihre Stimme war ruhiger als vorhin, fast sachlich. „Deshalb macht das Tempo mir Sorgen. Wenn es zu langsam ist, merkt das Publikum die Schönheit nicht. Es verliert sich.“

Markus dachte kurz nach. Das war keine Entschuldigung. Aber es war auch keine Kritik mehr. Es war etwas dazwischen.

„Ich verstehe das“, sagte er. „Ich werde morgen früh damit anfangen.“

Elena nickte einmal und ging.

Tobias klopfte Markus kurz auf die Schulter, sagte nichts, und folgte ihr.

Markus blieb noch einen Moment sitzen. Dann hob er seinen Cellokasten auf, schaltete das grelle Licht aus und schloss die Tür hinter sich.

Vier Tage. Es war noch Zeit.