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指揮者が永遠に去った後の最終リハーサル

Es war ein Dienstag, und das Orchester der Städtischen Philharmonie bereitete sich auf die Generalprobe vor. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag anders sein würde als die hundert Dienstage davor. Die Musiker stimmten ihre Instrumente, tranken Kaffee aus Plastikbechern und flüsterten über das vergangene Wochenende. Es roch nach Kolophonium und Staub, wie immer.

Viktor Hess betrat den Saal um Punkt neun Uhr morgens.

Er war achtundsechzig Jahre alt, trug seinen gewohnten schwarzen Rollkragenpullover und hielt den Taktstock so, als wäre er ein Teil seiner Hand — kein Werkzeug, sondern ein Organ. Seit dreiundzwanzig Jahren stand er vor diesem Orchester. Die meisten Musiker kannten kein anderes Berufsleben.

„Guten Morgen“, sagte er. Nicht laut. Nicht besonders freundlich.

Das Orchester antwortete im Chor, die Geste so eingeübt wie ein Ritardando im letzten Satz.

Sie begannen mit Brahms. Die Vierte Sinfonie, vierter Satz — die Passacaglia. Hess hatte dieses Stück in seinem Leben wahrscheinlich dreihundert Mal dirigiert, und doch stand er da, als würde er es zum ersten Mal hören. Das fiel Lena Kovač auf, der Zweiten Konzertmeisterin, die seit sieben Jahren in der ersten Reihe saß und gelernt hatte, seine Körpersprache wie ein Buch zu lesen.

Irgendetwas an der Art, wie er die Arme hielt, war anders.

Die Probe lief gut. Zu gut, dachte Lena. Hess unterbrach kaum. Er taktierte ruhig, fast schweigend, ohne seine üblichen scharfen Kommentare. Normalerweise stoppte er das Orchester mindestens dreimal pro Seite — einmal für die Blechbläser, die nie leise genug waren, einmal für die Celli, die nie zusammen atmeten, und einmal für irgendjemanden, der einen Fehler gemacht hatte, den nur er hörte. Heute: nichts. Er ließ die Musik fließen, als wollte er sie in einem Stück bewahren.

In der Pause trat Marcello Feurer, der erste Oboist, zu Lena.

„Hast du das auch bemerkt?“, fragte er leise.

„Was genau?“

„Er hat heute nicht einmal den Übergang im zweiten Satz angesprochen. Du weißt schon, die Stelle, bei der er uns normalerweise zur Verzweiflung bringt.“

Lena zuckte mit den Schultern, obwohl sie genau dasselbe gedacht hatte. „Vielleicht ist er einfach müde.“

„Oder er hat aufgegeben“, entgegnete Marcello.

Der zweite Teil der Probe begann ohne besondere Ankündigung. Sie spielten den dritten und vierten Satz durch, fast ohne Unterbrechung. Das Orchester war eingespielt, die Konzentration hoch. Und dann — im letzten Abschnitt, dem berühmten Finale — geschah etwas Merkwürdiges.

Hess senkte den Taktstock.

Nicht am Ende. Mitten im Satz. Einfach so.

Das Orchester stolperte, ein paar Musiker spielten noch zwei, drei Takte weiter, dann wurde es totenstill. Alle sahen ihn an. Er stand mit dem Rücken zu ihnen, den Stab in der herunterhängenden rechten Hand, und schaute auf den leeren Konzertsaal vor ihm — die roten Samtsessel, die Kronleuchter, die dunkle Bühne. Als würde er sich verabschieden.

„Herr Hess?“ Es war Lena, die sprach. Ihre Stimme klang seltsam laut in der plötzlichen Stille.

Er drehte sich um. Sein Gesicht war nicht traurig. Das überraschte sie. Es wirkte eher — fertig. Wie das Gesicht eines Menschen, der einen langen Brief zu Ende geschrieben hat.

„Es ist genug“, sagte er.

„Die Probe?“, fragte Lena unsicher.

„Nein.“ Er sah sie an, dann das Orchester, eine Reihe nach der anderen, fast als würde er sie zählen. „Ich meine alles.“

Er legte den Taktstock auf das Pult. Nicht dramatisch, nicht mit Nachdruck. Er legte ihn ab, wie man einen Schlüssel hinlegt, wenn man weiß, dass man nicht mehr zurückkommt.

Dann verließ er den Saal.

Niemand sagte ein Wort. Die Musiker blieben sitzen, die Instrumente noch in der Hand. Lena starrte auf den Taktstock auf dem Pult — dieses dünne, unscheinbare Stück Holz, das plötzlich aussah wie ein Relikt. Marcello neben ihr räusperte sich, als wollte er etwas sagen, aber er schwieg.

Das Konzert am Freitagabend fand statt. Ein anderer Dirigent übernahm, ein junger Mann aus Wien mit einem präzisen Schlag und hervorragenden Kritiken. Das Orchester spielte ausgezeichnet. Das Publikum applaudierte lang.

Lena spielte die richtigen Noten. Sie alle taten es.

Aber in der Pause, als die anderen hinausgingen, blieb sie einen Moment am Pult stehen. Der Taktstock war weg — irgendein Assistent hatte ihn eingepackt oder weggeräumt. Sie legte die Hand kurz auf das Holz des Pults, dort, wo Hess dreiundzugzig Jahre lang gestanden hatte, und versuchte sich vorzustellen, was er in jenem Moment gesehen hatte. Den leeren Saal. Die roten Stühle. Die Stille nach der Musik.

Sie verstand es immer noch nicht ganz. Und das, dachte sie, war vielleicht das Einzige, was er ihr je bewusst hinterlassen hatte.