갯골을 잘못 읽은 갯벌 안내자
A2 · Nature & Adventure
Als Hannes den ersten Holzpfahl nicht sah, blieb er kurz stehen.
Seit zwölf Jahren arbeitete er als Wattführer an der Küste von Ostfriesland. Den Weg von Neßmersiel nach Baltrum kannte er gut. Bei Ebbe führte er Gruppen zu Fuß durch das Watt.
An diesem Morgen warteten fünf Gäste auf ihn. Mara, eine junge Biologin, wollte um 14 Uhr auf Baltrum an einer Führung über seltene Vögel teilnehmen.
„Schaffen wir das rechtzeitig?“, fragte sie.
„Natürlich“, sagte Hannes. „Das Watt ist mein zweites Zuhause.“
Der Himmel war grau. Die Gruppe ging los. Unter ihren Stiefeln war der Boden weich. Kleine Krebse verschwanden im Sand, und Vögel suchten im flachen Wasser nach Futter.
Nach einer Stunde kamen sie an einen Priel. Er war viel breiter als sonst. Hannes sah auf seine alte Karte.
„Wir gehen hier durch“, sagte er schnell.
Doch nach wenigen Schritten stand ihm das Wasser bis zu den Knien. Die Strömung wurde stärker.
„Zurück!“, rief er.
Nun kam die Flut näher. Auch dichter Nebel kam vom Meer. Die Insel und die Küste waren kaum noch zu sehen. Hannes wollte sein Funkgerät benutzen, aber die Batterie war fast leer.
Mara zeigte auf den Sand. „Hier sind frische Vogelspuren. Dort ist der Boden vielleicht höher.“
Hannes sah genauer hin. Im Nebel entdeckte er kleine Stangen. Sie markierten einen neuen, sicheren Weg. Der Sturm hatte den alten Priel verändert.
„Du hast recht. Wir folgen den Stangen.“
Hannes prüfte den Boden mit seinem Stock. Das Wasser blieb flach. Nach zwanzig Minuten hörten sie eine Glocke. Kurz danach erreichten sie das Ufer. Es war 13:45 Uhr. Mara hatte noch 15 Minuten.
Am Abend zeichnete Hannes den neuen Priel in seine Karte. Er schrieb: „Das Watt verändert sich jeden Tag. Man muss gut aufpassen und Hilfe annehmen.“