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Die Sprachnachricht vom Bahnsteig gegenüber

Mara wartet auf Bahnsteig 4. Ihr Zug nach Hamburg kommt in acht Minuten. Sie will heute ihre Mutter besuchen. Die Mutter hat Geburtstag. Seit einem Streit im Winter hat Mara sie nicht mehr gesehen. Am Morgen schrieb ihr Bruder Jonas: „Bitte komm. Mama wartet auf dich.“ Mara antwortete nur: „Ich komme.“ Für sie ist es ein wichtiges Versprechen.

Da erhält sie eine Sprachnachricht von einer unbekannten Nummer. Eine Männerstimme sagt: „Lina, steig bitte nicht in den Zug! Ich war gestern nicht mit Eva im Restaurant. Ich habe dort gearbeitet. Das Geld für Wien sollte eine Überraschung sein.“

Mara will „Falsche Nummer“ schreiben. Dann sieht sie auf dem Bahnsteig gegenüber einen nervösen Mann mit grüner Jacke. Er wirkt verzweifelt und spricht laut in sein Handy: „Nein, sie antwortet nicht!“

Mara hebt ihr Handy. Ihre Blicke treffen sich. Ein Zug fährt zwischen den Bahnsteigen durch. Als er weg ist, ruft Mara: „War die Nachricht für Lina?“

„Ja“, ruft der Mann. „Ich habe mich bei der Nummer geirrt. Ich heiße David. Lina ist auf Ihrem Bahnsteig. Sie hat dunkle Haare, einen roten Mantel und eine gelbe Tasche.“

Mara sieht die junge Frau. „Lina, warten Sie!“ Sie erklärt alles. Lina wirkt unsicher. „Er hätte mit mir sprechen können“, sagt sie.

„Ja“, antwortet Mara. „Aber jetzt können Sie mit ihm sprechen.“

Lina ruft David an. „Du hast zwei Minuten“, sagt sie. David läuft zur Treppe.

Auch Maras Zug fährt ein. Sie steigt schnell ein und schickt ihrer Mutter eine Nachricht: „Mama, ich komme wirklich. Ich möchte mich entschuldigen. Es tut mir leid, dass ich so lange geschwiegen habe.“

Kurz danach antwortet ihre Mutter: „Ich warte auf dich.“ Mara lächelt.