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A2 · Music & Arts
Das Fundbüro in der Kölner Innenstadt war kein schöner Ort. Die Regale waren voll mit alten Schirmen, Brillen und Taschen. Aber an einem Dienstagmorgen brachte ein Bahnmitarbeiter etwas Besonderes: eine alte Geige in einem braunen Koffer.
„Jemand hat sie im Zug vergessen“, sagte er. „Im ICE nach Hamburg. Es gibt keinen Namen und kein Ticket.“
Miriam Holz, die Sachbearbeiterin, stellte die Geige ins Regal. Sie schrieb ein Schild: 13. März. Gefunden im ICE 578. Nach drei Wochen rief niemand an. Miriam war neugierig. Nach der Arbeit öffnete sie den Koffer. Die Geige war alt, aber sehr schön. Unter den Saiten fand sie ein kleines Stück Papier. Sie las: Für meine Tochter Clara. Spiel sie gut. – Papa.
Miriam suchte im Internet nach „Clara“ und „Geige“. Sie fand einen alten Artikel von 1987 über eine junge Geigerin: Clara Breuer. Heute war Clara Breuer die Direktorin einer Musikschule in Köln. Miriam rief dort an.
„Guten Tag“, sagte Miriam. „Haben Sie eine Geige verloren?“
„Nein“, sagte Frau Breuer zuerst. Dann wurde sie leise. „Mein Bruder war im Zug nach Hamburg. Er ist sehr vergesslich. Aber er sagt, die Geige ist nicht wichtig.“
Miriam sagte: „Ich habe den Brief von Ihrem Vater gelesen. Für meine Tochter Clara.“
Es war lange still am Telefon. Dann sagte Clara Breuer: „Das ist meine Geige. Mein Vater hat sie mir zum Abschluss geschenkt. Er war sehr stolz. Er ist vor zehn Jahren gestorben. Kann ich sie abholen?“
Am Freitagnachmittag kam Clara Breuer ins Fundbüro. Sie war eine ruhige Frau mit grauen Haaren. Sie öffnete den Koffer und sah die Geige an. Sie schloss kurz die Augen und sagte: „Danke. Wirklich.“
Sie nahm den Koffer und ging. Das Regal im Fundbüro sah jetzt sehr leer aus.