الخزانة الفارغة في محطة هامبورغ الرئيسية
A2 · Mystery & Crime
Lena kannte den Hamburger Hauptbahnhof sehr gut. Sie nahm dort jeden Morgen die S-Bahn zur Arbeit. Aber an diesem Dienstag war alles anders.
Ihr Bruder Jonas hatte ihr eine kurze Nachricht geschickt. Nur drei Sätze:
„Schließfach Nummer 247. Halle B. Öffne es um 18 Uhr. Nicht früher."
Das war vor zwei Tagen. Seitdem hatte Jonas sein Telefon nicht beantwortet.
Lena stand jetzt vor dem Schließfach. Es war 17:58 Uhr. Der Bahnhof war laut und voll — Koffer rollten über den Boden, eine Durchsage nannte verspätete Züge, eine Gruppe Touristen fotografierte die hohen Glasfenster. Aber Lena hörte nichts davon. Sie sah nur die kleine graue Tür mit der Nummer 247.
In ihrer Hand hielt sie sechzig Euro. Jonas hatte ihr den Code nicht gegeben — nur die Schließfachnummer. Und sechzig Euro. Das war seltsam. Das Schließfach kostete höchstens drei Euro pro Tag.
Warum sechzig Euro?, dachte sie.
Um 18:00 Uhr tippte sie den vierstelligen Code ein, den Jonas ihr vor Monaten für solche Situationen gegeben hatte: ihr gemeinsamer Geburtsmonat, dann das Jahr. Es funktionierte.
Sie öffnete die Tür.
Das Schließfach war leer.
Lena blinzelte. Sie schaute noch einmal hinein. Nichts. Kein Brief. Kein Paket. Keine Erklärung.
Ihr Herz schlug schnell. Was bedeutete das? War Jonas in Gefahr? Hatte jemand das Schließfach schon früher geöffnet? Oder — und das war der schlimmste Gedanke — war das eine Art Abschied?
Sie schloss die Tür wieder und lehnte sich gegen die kalte Metallwand. Die sechzig Euro in ihrer Hand fühlten sich jetzt sehr schwer an.
Dann vibrierte ihr Telefon.
Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer:
„Schließfach 274. Halle A. Du hast die falsche Halle."
Lena schaute auf den Bildschirm. Dann schaute sie auf das Schließfach. 247. Sie schaute zurück auf die Nachricht. 274.
Sie hatte die Zahlen verwechselt.
Sie lief. Halle A war auf der anderen Seite des Bahnhofs, hinter den Gleisen, neben dem kleinen Café mit den schlechten Sandwiches. Lena kannte es gut. Sie lief an Menschen vorbei, entschuldigte sich zweimal, und fand schließlich Schließfach 274.
Gleicher Code. Die Tür öffnete sich sofort.
Diesmal war das Fach nicht leer.
Darin lag ein kleiner brauner Umschlag und ein Zugticket nach Kopenhagen — für heute Abend, 19:15 Uhr. In weniger als einer Stunde.
Sie riss den Umschlag auf. Darin waren keine langen Erklärungen. Nur ein Zettel mit fünf Wörtern in Jonas' Handschrift:
„Ich brauche dich hier. Bitte."
Lena hielt das Ticket fest. Sechzig Euro — genug für das Taxi zum Café, genug für ein Abendessen, genug für ein Gespräch, das vielleicht schwierig werden würde.
Sie verstand noch nicht alles. Aber sie verstand genug.
Sie kaufte einen Kaffee am Automaten, setzte sich auf eine Bank, und wartete auf ihren Zug.