Partituret, som den wienske forlægger aldrig returnerede
B1 · Music & Arts
Im Herbst 1827 saß Josef Brenner an seinem kleinen Tisch in Graz und schrieb die letzten Noten seiner Sinfonie. Das Fenster war offen, und er konnte die Kastanienbäume auf der Straße sehen. Die Blätter fielen langsam. Er dachte: „Wenn diese Noten stimmen, dann habe ich etwas Echtes geschrieben.“
Er war neunundzwanzig Jahre alt und hatte noch nichts Wichtiges veröffentlicht. Die Sinfonie hatte er in drei Jahren komponiert. Sie war nicht lang – nur vier Sätze, etwa fünfunddreißig Minuten. Aber jede Note war ehrlich. Der dritte Satz, ein langsames Adagio, war für seine verstorbene Mutter geschrieben. Er hatte nie jemandem davon erzählt.
Ein Freund hatte ihm eine Adresse gegeben: Tobias Haslinger, Verleger, Wien. Haslinger war bekannt. Er hatte Werke von Beethoven publiziert. Er hatte Macht.
Josef rollte die Partitur vorsichtig auf, legte sie in eine Papierrolle und schrieb einen Brief dazu:
„Sehr geehrter Herr Haslinger, ich schicke Ihnen hiermit meine Sinfonie in d-Moll. Ich bitte Sie, das Werk zu lesen und mir Ihre Meinung mitzuteilen. Bitte schicken Sie das Manuskript zurück, wenn Sie kein Interesse haben.“
Er schickte alles nach Wien.
Dezember kam. Kein Brief aus Wien. Josef fragte seinen Freund: „Haslinger – antwortet er meistens schnell?“ Der Freund zuckte mit den Schultern. „Er bekommt hundert Partituren pro Jahr. Sei geduldig.“
Januar. Februar. Josef begann, die Sinfonie aus dem Gedächtnis neu zu schreiben. Er erinnerte sich an die meisten Noten – aber nicht an alle. Der dritte Satz, das Adagio, war verschwommen in seiner Erinnerung. Er hatte diesen Satz nicht nach strengen Regeln geschrieben, sondern nach Gefühl. Und Gefühle sind schwer zu erinnern, wenn man lange wartet.
Im März schrieb er einen zweiten Brief nach Wien, doch es kam keine Antwort.
Im Sommer 1828 reiste Josef schließlich nach Wien. Er fand das Büro von Haslinger in der Innenstadt. Ein junger Assistent öffnete die Tür. „Ich suche Herrn Haslinger“, sagte Josef. „Ich habe im Oktober eine Partitur geschickt.“
Der Assistent schaute in ein dickes Buch. „Brenner... Brenner...“ Er schüttelte den Kopf. „Ich finde nichts.“
Josef kam am nächsten Tag wieder. Beim dritten Besuch sprach er endlich mit Haslinger selbst – ein großer Mann mit einer goldenen Uhr. „Brenner aus Graz“, sagte Haslinger. „Ja, ich erinnere mich. Eine Sinfonie.“
Josefs Herz schlug schneller. „Haben Sie sie gelesen?“
„Ich habe sie gesehen“, sagte Haslinger kühl. „Sie ist handwerklich solide. Aber sie ist nicht modern genug. Wien hat jetzt andere Bedürfnisse. Ich kann sie nicht publizieren.“
„Dann geben Sie sie mir bitte zurück.“
Haslinger sah ihn direkt an. „Wir haben ein Problem. Ich glaube, das Paket ist verloren gegangen. Wir haben letzten Winter das Lager geordnet. Es gibt viele Partituren, die wir nicht mehr finden können.“
Die Stille zwischen den beiden Männern war lang. „Das Adagio“, sagte Josef schließlich leise. „Ich kann es nicht neu schreiben.“
Josef fuhr zurück nach Graz. Im Zug versuchte er, die verlorenen Noten zu singen. Manchmal kamen ein paar Takte zurück, manchmal nicht. Die Sinfonie wurde nie wieder vollständig aufgeschrieben.
Aber einige Musikforscher glauben heute, dass ein Teil des Adagios noch existiert – in einem kleinen Notizheft, das 1971 in Wien gefunden wurde. Der Name auf dem Heft lautet: J. Brenner, Graz, 1824. Was auf den verblassten Seiten steht, konnte bis heute nicht vollständig entziffert werden.