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Falešné jméno na zvonku ve čtvrtém patře

Das Klingelschild war klein, handgeschrieben und ein bisschen schief. Darauf stand: Wenzel.

Mara stand vor dem Haus in der Brennerstraße und schaute auf das Schild. Sie zögerte. Das war nicht der Name ihrer Schwester. Ihre Schwester hieß Lena Fröhlich — oder sie hatte früher so geheißen. Aber die Adresse stimmte. Die hatte Mara von ihrer Mutter bekommen, kurz bevor diese gestorben war. Ein Zettel, in die Hand gedrückt, ohne ein weiteres Wort.

Vierter Stock. Links.

Mara klingelte trotzdem.

Es dauerte lange. Fast zu lange. Dann knackte die Gegensprechanlage.

„Ja?“, fragte eine Männerstimme. Tief, ein bisschen rau.

„Entschuldigung“, sagte Mara. „Ich suche Lena Fröhlich. Ich glaube, sie wohnt hier. Oder… sie hat hier gewohnt.“

Stille. Dann: „Kommen Sie rauf.“

Die Tür summte. Mara drückte sie auf und ging die Treppe hoch. Im vierten Stock wartete ein Mann Mitte fünfzig auf dem Treppenabsatz. Er war groß, hatte graues Haar und trug eine Küchenschürze. Er wirkte nicht überrascht. Eher so, als hätte er diesen Moment erwartet.

„Sie sind die Schwester“, sagte er. Es war keine Frage.

Mara blieb stehen. „Woher wissen Sie das?“

Der Mann lehnte am Türrahmen und sah sie an. „Lena hatte ein Foto von Ihnen auf dem Kühlschrank. Seit Jahren. Sie sehen sich sehr ähnlich.“

Mara schluckte. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. „Wohnt sie noch hier?“

„Nicht mehr.“ Er machte eine kurze Pause. „Sie ist vor acht Monaten ausgezogen. Ich wohne jetzt hier. Aber ich habe ihre Post noch. Ich wusste nicht, wohin ich sie schicken sollte.“

Er verschwand kurz in der Wohnung und kam mit einem kleinen Stapel Briefe zurück. Mara sah ihren eigenen Namen auf einem der Umschläge. Ihre eigene Handschrift. Der Brief war nie geöffnet worden.

„Das ist von mir“, sagte sie leise.

„Ja“, sagte der Mann. „Es gibt noch drei andere. Alle von derselben Absenderin.“

Mara nahm den Stapel. Ihre Hände zitterten ein bisschen. Der Mann sagte nichts mehr. Er stand einfach da, ruhig und still, wie jemand, der weiß, dass manche Momente keine Worte brauchen.

„Hat sie eine neue Adresse hinterlassen?“, fragte Mara schließlich.

Der Mann nickte langsam. Er holte einen Kugelschreiber aus der Schürzentasche und schrieb etwas auf einen alten Kassenbon. „Das hat sie mir gegeben. Für den Fall, dass jemand fragt.“

Mara nahm den Zettel. Sie las die Adresse. Eine Straße in Hamburg. Weit weg, aber nicht unerreichbar.

„Danke“, sagte Mara.

„Keine Ursache“, sagte der Mann. Dann, bevor er die Tür schloss, fügte er hinzu: „Sie hat das Foto mitgenommen. Das von Ihnen. Das fand ich gut.“

Mara stand allein auf dem Treppenabsatz und hielt den Kassenbon fest in der Hand. Sie dachte an die vier Briefe, an die vier Jahre Schweigen und an ihre Mutter, die nie erklärt hatte, warum die beiden Schwestern nicht mehr sprachen. Aber das alles war in diesem Moment weniger wichtig als eine einzige Tatsache:

Lena hatte das Foto mitgenommen.

Mara steckte den Kassenbon in die Jackentasche und ging die Treppe hinunter. Draußen war es kalt, aber sie ging mit schnellen, sicheren Schritten zum Bahnhof.