Das Licht im leeren Haus gegenüber
A2 · Mystery & Suspense
Das Haus gegenüber war seit zwei Jahren leer. Keine Möbel, keine Gardinen, kein Briefkasten. Die Nachbarn sagten: „Der alte Herr Weiß ist gestorben. Seine Familie kommt nie.“ Nina war 28 Jahre alt und wohnte direkt gegenüber. Sie sah das Haus jeden Tag.
Dann, an einem Dienstagabend im Oktober, sah sie etwas Seltsames. Um elf Uhr nachts war ein Licht im Fenster oben. Ein kleines, gelbes Licht. Vielleicht eine Kerze. Nina stand am Fenster und schaute. Das Licht brannte fünf Minuten. Dann war es weg.
„Merkwürdig“, dachte sie. Aber es war spät und sie war müde. Sie ging ins Bett. Am nächsten Abend schaute Nina wieder. Um elf Uhr – genau um elf – war das Licht wieder da. Fünf Minuten lang. Dann wurde es dunkel.
Sie rief ihre Freundin Petra an. „Petra, im leeren Haus gegenüber ist jeden Abend um elf ein Licht.“ „Ein Licht?“, fragte Petra. „Vielleicht ist es ein Reflex von einem Auto.“ „Nein“, sagte Nina. „Es ist immer um elf. Immer fünf Minuten. Jeden Tag.“
Am nächsten Morgen gingen die Frauen zu dem Haus. Die Haustür war verschlossen. Aber ein Fenster im Erdgeschoss war nicht ganz zu. Nina rief hinein: „Hallo? Ist da jemand?“ Keine Antwort. Stille.
Im Garten sah Nina ein Schild. Es war neu: „Immobilienbüro Sommer – Besichtigung bald möglich.“ „Ein Makler!“, sagte Nina. „Jemand kommt abends und kontrolliert das Haus mit einer Taschenlampe.“ Petra lachte. „Dein großes Mysterium ist nur ein Makler!“
Nina lachte auch. Aber dann sagte sie leise: „Warte mal. Warum kommt er immer nachts um elf? Das ist keine normale Arbeitszeit.“ Petra hörte auf zu lachen. Die Frauen schauten das alte Haus an. Die Frage blieb offen. Vielleicht war die Erklärung einfach. Oder vielleicht auch nicht.