Il mercatino di Natale che chiuse un'ora prima
A1 · Culture & Travel
Es ist kalt. Sehr kalt. Lena steht auf dem Hauptmarkt in Nürnberg. Die Lichter sind schön. Überall riecht es nach Lebkuchen und heißer Schokolade. Lena atmet tief ein. Sie liebt diesen Geruch. Aber Lena hat keine Zeit. Sie sucht einen Stand. Einen bestimmten Stand. Der Mann dort verkauft Marzipan. Echtes Nürnberger Marzipan. Ihre Oma liebt es. Nur dieses Marzipan. Kein anderes. Morgen ist Heiligabend. Lena hat kein Geschenk für ihre Oma. Sie geht schnell. Links, rechts, links. Viele Menschen. Viele Stände. Glühwein hier. Kerzen dort. Aber kein Marzipan.
Dann gehen die Lichter aus. Nicht alle Lichter, aber viele. Ein Mann ruft laut: „Der Markt schließt! Heute um acht! Nicht um neun!“ Lena sieht auf ihr Handy. Es ist 19:58 Uhr. Zwei Minuten. Sie läuft. Aber wohin? Sie kennt den Stand nicht. Sie sieht nur Menschen, die nach Hause gehen. „Du suchst etwas?“, fragt eine Stimme. Eine ältere Frau steht neben Lena. Sie trägt einen roten Schal. Sie lächelt ruhig. „Marzipan“, sagt Lena. „Ich suche Marzipan für meine Oma.“ Die Frau nickt. „Ich kenne den Stand. Komm mit.“ Sie gehen zusammen. Schnell. Die Frau kennt den Weg gut. Sie biegt links ab, dann rechts, dann — da ist er.
Ein kleiner Stand. Ein Mann packt seine Sachen ein. „Warten Sie!“, ruft Lena. Der Mann hält an. Er sieht Lena an. „Bitte“, sagt Lena. „Marzipan für meine Oma. Es ist ihr Lieblingsmarzipan.“ Der Mann sagt nichts. Dann nimmt er eine kleine Schachtel. Er gibt sie Lena. „Fünf Euro“, sagt er. Lena bezahlt. Ihre Hände zittern vor Kälte und vor Freude. Sie dreht sich um. Sie will „Danke“ sagen. Aber die Frau mit dem roten Schal ist weg. Lena schaut links. Rechts. Nichts. Sie lächelt. Merkwürdig, aber gut. Sie geht nach Hause. Die Schachtel ist klein in ihrer Hand. Morgen ist Heiligabend. Jetzt hat sie ein Geschenk.