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Vaktavlösningen som tränaren hade förbjudit

Drei Stunden vor dem Rennen saß Mia allein auf der Tribüne und schaute auf die leere Bahn. Die anderen Mädchen waren noch in der Umkleide, aber Mia konnte nicht stillsitzen. Sie dachte an den Wechsel. Immer nur an den Wechsel.

Trainerin Koch hatte es ihnen hundert Mal gesagt: „Kein blinder Wechsel. Niemals. Nicht bei diesem Team."

Der blinde Wechsel – das war die Technik, bei der die empfangende Läuferin nicht zurückschaut. Sie streckt einfach die Hand nach hinten und läuft los. Sie muss ihrer Partnerin vollständig vertrauen. In der Theorie ist es schneller. In der Praxis, sagte Trainerin Koch, war es für sie zu gefährlich. Beim letzten Training hatte Lena den Stab fallen lassen. Zweimal.

„Vergiss es“, hatte die Trainerin gesagt. Ihr Ton ließ keine Diskussion zu.

Aber Mia konnte es nicht vergessen.

Das Rennen begann um vier Uhr nachmittags. Die Sonne stand tief und warf lange Schatten über die Tartanbahn. Mia stand an der vierten Position – als Schlussläuferin – und beobachtete, wie ihre Teamkolleginnen kämpften.

Jana lief die erste Strecke gut. Petra übernahm den Stab sauber und gewann sogar ein bisschen Zeit. Dann kam Lena, die dritte Läuferin. Lena war heute stark. Ihre Schritte waren gleichmäßig, ihr Gesicht konzentriert.

Mia bereitete sich vor. Sie wartete in der Wechselzone und spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Das Team aus Karlsruhe war direkt neben ihr – nur eine halbe Körperlänge zurück.

Dann sah sie es.

Lena lief auf sie zu, aber das Mädchen aus Karlsruhe war jetzt auf gleicher Höhe. Wenn Mia sich umdrehte, um den Stab normal zu nehmen – mit Augenkontakt und Kontrolle, so wie Trainerin Koch es verlangte – würden sie eine halbe Sekunde verlieren. Vielleicht mehr. Vielleicht den ganzen Wettbewerb.

In diesem Moment trafen sich ihre Augen. Lenas Blick fragte etwas, ohne ein Wort zu sagen: Vertraust du mir?

Mia drehte sich um. Sie schaute nicht zurück. Sie streckte die Hand nach hinten aus und lief los.

Die nächsten zwei Sekunden waren die längsten ihres Lebens. Sie wartete auf den Stab, der zuerst nicht kam, und dann – ein festes, perfektes Gewicht in ihrer Handfläche. Lenas Übergabe war makellos.

Mia lief. Sie lief, als ob sie fliegen könnte. Sie überquerte die Ziellinie 0,3 Sekunden vor Karlsruhe.

Das Team jubelte. Jana weinte vor Glück. Petra hüpfte wie ein Kind. Lena umarmte Mia so fest, dass Mia kaum atmen konnte. Dann sahen sie beide zur Trainerin.

Trainerin Koch stand am Rand der Bahn. Ihre Arme waren vor der Brust verschränkt. Ihr Gesicht war schwer zu lesen – nicht böse, aber auch nicht glücklich. Sie schaute Mia lange an.

Schließlich sagte sie nur einen Satz, leise, fast nur für Mia: „Das war das letzte Mal.“

Aber dann – ganz kurz, bevor sie sich umdrehte – sah Mia etwas in ihrem Gesicht, das die Trainerin eigentlich nicht zeigen wollte: einen Moment des Stolzes.